Die sogenannte „Louwen-Diät“ in der Schwangerschaft: Was steckt dahinter und was sagt die Wissenschaft?
Was ist mit „Louwen-Diät“ gemeint?
Die Louwen-Diät ist ein weitverbreiteter Suchbegriff, der vor allem mit einer bestimmten Ernährung gegen Ende der Schwangerschaft in Verbindung gebracht wird. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein wissenschaftlich definiertes Ernährungskonzept.
Prof. Louwen betont, dass er weder eine spezielle Diät erfunden noch eine bestimmte Ernährungsform definiert hat. Der Begriff „Louwen-Diät“ sei vielmehr umgangssprachlich entstanden. Seine Empfehlung beziehe sich auf die Vermeidung von raffiniertem Zucker und Weizenmehl ab der 36. Schwangerschaftswoche und nicht auf eine umfassende Diät oder Ernährungsumstellung. (Interview Prof. Louwen; Professor für Geburtshilfe und Perinatologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und Leiter des dortigen Perinatalzentrums; 07.03.2025; https://die-friedliche-geburt.de/wissen/louwen-diaet/)
Was sagen die aktuellen Ernährungsempfehlungen?
Netzwerk Gesund ins Leben und DGE empfehlen eine ausgewogene, abwechslungsreiche und überwiegend pflanzenbasierte Ernährung. Dazu gehören reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse, mäßig tierische Lebensmittel sowie bevorzugt pflanzliche Öle. Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke sollten sparsam konsumiert werden. Wasser und ungesüßte Getränke sind zu bevorzugen, Alkohol ist zu meiden. Entscheidend ist die Nährstoffqualität: Die meisten Schwangeren benötigen keine zusätzliche Energie. Gleichzeitig werden regelmäßige körperliche Aktivität und ein insgesamt gesunder Lebensstil empfohlen, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu unterstützen.

Was zeigt die wissenschaftliche Evidenz?
Die meisten wissenschaftlichen Studien befassen sich nicht mit der sogenannten „Louwen-Diät“ selbst, sondern mit Ernährungsformen mit niedrigem glykämischem Index (Low GI) oder mit Frauen, die an Gestationsdiabetes leiden bzw. ein erhöhtes Risiko dafür haben. Positive Effekte wurden vor allem hinsichtlich der Blutzuckerkontrolle sowie einzelner Schwangerschaftsoutcomes untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien können jedoch nicht direkt auf die spezifischen Aussagen zur Geburtsvorbereitung im Rahmen der sogenannten „Louwen-Diät“ übertragen werden.
Eine Metaanalyse bei Frauen mit Gestationsdiabetes zeigte, dass bestimmte Ernährungsinterventionen einige Blutzucker- und Schwangerschaftsparameter verbessern können. Für Low-GI-Ernährungsformen wurden unter anderem niedrigere Nüchternblutzuckerwerte und eine geringere Häufigkeit von Makrosomie beobachtet. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass aufgrund der begrenzten Qualität und Anzahl der Studien weitere hochwertige Forschungsarbeiten notwendig sind.
Eine weitere Metaanalyse bei Frauen mit erhöhtem Risiko für Gestationsdiabetes zeigte, dass eine Low-GI-Ernährungsberatung die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft sowie das Risiko für Frühgeburten senken konnte. Die Entwicklung eines Gestationsdiabetes wurde jedoch nicht signifikant verhindert.
Was empfiehlt die DDG bei Gestationsdiabetes?

Die DDG-Praxisempfehlung empfiehlt bei diagnostiziertem Gestationsdiabetes eine ausgewogene Ernährung mit ballaststoffreichen Kohlenhydratquellen und niedrigem glykämischem Index. Zudem wird empfohlen, Kohlenhydrate über mehrere Mahlzeiten über den Tag zu verteilen. Die Leitlinie untersucht jedoch keine Louwen-Diät als eigenständiges Konzept und trifft keine Aussagen zu einer speziellen Ernährung zur Geburtsvorbereitung ab der 36. Schwangerschaftswoche.
Hilft die Louwen-Diät bei der Geburt?
Auf Basis der vorliegenden Quellen gibt es keinen direkten wissenschaftlichen Nachweis, dass die sogenannte Louwen-Diät Geburt erleichtert, verkürzt oder Schmerzen während der Geburt reduziert. Die verfügbaren Studien untersuchen überwiegend Ernährung, Blutzuckerregulation und Gestationsdiabetes, nicht jedoch die Louwen-Diät als klar definiertes Ernährungskonzept.
Zur Erklärung möglicher Zusammenhänge zwischen Ernährung und Geburtsverlauf beschreibt Prof. Louwen ein biologisches Modell, bei dem Blutzucker, Insulin, Prostaglandine und Oxytocin eine zentrale Rolle spielen. Nach seiner Hypothese könnte ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel in den letzten Schwangerschaftswochen die Wirkung oder Verfügbarkeit von Prostaglandinen beeinflussen und dadurch die Vorbereitung des Gebärmutterhalses auf die Geburt verändern. Aus diesem Modell leitet sich die Annahme ab, dass eine Reduktion hochglykämischer Lebensmittel die Geburtsvorbereitung unterstützen könnte. Wichtig ist jedoch, dass diese Zusammenhänge bislang überwiegend hypothetischer Natur sind. Klinische Studien, die die gesamte postulierte Kausalkette beim Menschen bestätigen oder einen direkten Einfluss auf Geburtsdauer, Schmerzempfinden oder Interventionsraten nachweisen, liegen derzeit nicht vor.
Nach Prof. Louwen sind bei einer natürlichen Geburt vor allem zwei Hormone beteiligt, die nacheinander wirken: Prostaglandine und Oxytocin. Der Mutterkuchen beginnt ab der 36. Schwangerschaftswoche mit der Produktion von Prostaglandinen, die die Geburt vorbereiten. Prostaglandine fördern die Ausbildung von Rezeptoren am Gebärmutterhals, wodurch dieser weicher wird und sich der Muttermund öffnen kann. Anschließend übernimmt Oxytocin die Aufgabe, durch Kontraktionen der Gebärmutter die Austreibung des Kindes zu unterstützen. Louwen beschreibt zudem, dass ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel in den letzten Schwangerschaftswochen zu einer geringeren Prostaglandinproduktion führen kann. Dadurch würden weniger Rezeptoren ausgebildet, die für die Geburtsvorbereitung notwendig sind. Nach dem von Louwen beschriebenen Mechanismus können bei einer geringeren Anzahl dieser Rezeptoren mehr Prostaglandine an Schmerzrezeptoren binden, was mit längeren Geburtsverläufen, häufigeren Einleitungen und stärkeren Schmerzen während der Geburt in Zusammenhang gebracht wird.
Eine derzeit laufende randomisierte Studie (INGO-Studie) untersucht, ob eine Ernährungsumstellung ab der 36. Schwangerschaftswoche mit stabileren Glukosewerten Auswirkungen auf Geburtsdauer, Schmerzerleben und geburtshilfliche Interventionen hat. Die Ergebnisse dieser Studie könnten wichtige Erkenntnisse zur klinischen Relevanz der beschriebenen Hypothesen liefern. Ergebnisse dieser Studie liegen noch nicht vor.
Fazit
Die sogenannte Louwen-Diät ist kein wissenschaftlich definiertes Ernährungskonzept. Low-GI-Ernährungsformen können bei Frauen mit Gestationsdiabetes oder erhöhtem Risiko einzelne Blutzucker- und Schwangerschaftsparameter verbessern. Ein direkter Nachweis, dass die Louwen-Diät die Geburt verkürzt, erleichtert oder Geburtsschmerzen reduziert, liegt anhand der vorliegenden Quellen jedoch nicht vor.
Insgesamt spricht die verfügbare Evidenz für eine ausgewogene, qualitativ hochwertige Ernährung während der Schwangerschaft, während spezifische geburtsvorbereitende Effekte der sogenannten Louwen-Diät derzeit wissenschaftlich nicht gesichert sind.
Referenzen
| 1. Effects of different dietary patterns during pregnancy on birth outcomes and glucose parameters in women with gestational diabetes mellitus. Prim Care Diabetes. 2023. | ||
| 2. Effect of low-glycemic index diet advice on pregnant outcomes in women with elevated risk of gestational diabetes mellitus: A meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Nutr ESPEN. 2023. | ||
| 3. Maternal high-protein/low-glycemic-index diet during pregnancy impairs offspring lipid profile-a randomized controlled trial. Eur J Nutr. 2026. | ||
| 4. Alaze-Hagemann F, Reiss K, Abou-Dakn M, et al. Geburtsh Frauenheilk. 2026. doi:10.1055/a-2827-5905. | ||
| 5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit. 2026. | ||
| 6. Schäfer-Graf UM, Laubner K, Hummel S, et al. Diabetol Stoffwechs. 2025;20:S222-S233. doi:10.1055/a-2592-8027. | ||
| 7. INGO-Studie. Deutsches Register Klinischer Studien (DRKS). DRKS00032967. Studieneintrag | ||
| 8. Interview Prof. Louwen. Die Friedliche Geburt. 07.03.2025. Interview zur Louwen-Diät |
Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, könnten Sie auch interessiert sein an