Wie beeinflusst die Ernährung der Mutter die Zusammensetzung der Muttermilch?
Was steckt in der Muttermilch – und welche Nährstoffe werden über die Nahrung beeinflusst?
Muttermilch enthält ein komplexes Zusammenspiel aus Makro- und Mikronährstoffen, Hormonen, Immunstoffen, Enzymen, lebenden Zellen und bioaktiven Komponenten wie HMO (Humane Milch-Oligosaccharide). Ihre detaillierte Zusammensetzung verändert sich je nach Laktationsphase, Tageszeit, Stilldauer und individuell von Frau zu Frau.
Allgemein ist sie aus
- Wasser,
- Fett,
- Eiweiß und
- Kohlenhydraten (Laktose + Oligosacchariden)
zusammengesetzt.
Viele Bestandteile sind grundsätzlich konstant und durch Regulationsmechanismen geschützt.
Dennoch gibt es Nährstoffe, deren Gehalt direkt von der Ernährung der Mutter abhängt.
Wichtige Nährstoffe und ihre Bedeutung für die Muttermilch
Jod
Die Muttermilch ist Hauptquelle für Jod beim gestillten Säugling. Ein Mangel bei der Mutter führt zu vermindertem Jodgehalt in der Milch - mit Risiko für Schilddrüsenunterfunktion beim Kind.
- Empfehlung: 100-150 ug Jod-Supplement täglich in der Stillzeit (DGE)
Vitamin D
Der Vitamin-D-Gehalt in Muttermilch ist generell gering und hängt stark vom mütterlichen Blutspiegel ab.
- Empfehlung: Supplementierung nur nach ärztlicher Empfehlung; Säuglinge erhalten standardmäßig Vitamin D prophylaktisch.
Vitamin B12
Vegan oder vegetarisch lebende Mütter haben ohne Supplement oft zu geringe B12-Werte - mit direktem Risiko für das gestillte Kind. Auch bei einer fleisch-
haltigen Ernährung kann ein Mangel bestehen und eine Überprüfung des Wertes sinnvoll sein.
- Empfehlung: B12-Spiegel kontrollieren lassen; bei veganer Ernährung unbedingt supplementieren.
DHA (Docosahexaensäure)
Eine essentielle Omega-3-Fettsäure für Hirn- und Augenentwicklung. Der Gehalt in der Muttermilch steigt bei regelmäßiger Zufuhr über fettreichen Seefisch oder Algenöl.
- Empfehlung: Mind. 200 mg DHA täglich - über Ernährung oder Supplement.
Gut zu wissen:
Frauen, die sich vegan ernähren, sollten einem Mangel an wichtigen Nährstoffen in der Stillzeit durch eine frühzeitige Ernährungsberatung sowie durch regelmäßige Kontrolle der Nährstoffversorgung zuvorkommen. Hebammen und Stillberaterinnen nehmen hier eine wichtige Brückenfunktion in der Beratung ein.
Mögliche Risiken: Was kann in die Muttermilch übergehen?
Neben den positiven Einflüssen sind auch unerwünschte Stoffe in der mütterlichen Ernährung relevant:
- Alkohol: Geht 1:1 in die Muttermilch über und sollte daher auch in der Stillzeit vermieden werden.
- Nikotin: führt zu verminderter Milchmenge, Unruhe beim Kind, Nikotinspuren in der Milch nachweisbar. Aus diesem Grund sollte Rauchen auch in der Stillzeit unterlassen werden.
- Koffein: in Maßen (1 bis 2 Tassen Kaffee) unproblematisch; größere Mengen können das Kind beeinträchtigen
Hebammen sollten hier über Risiken beraten und ggf. über Alternativen informieren.
Hebammenberatung: Ernährung in der Stillzeit – alltagstauglich und individuell
Viele stillende Mütter sind verunsichert: Muss ich „perfekt“ essen? Was darf ich nicht? Was ist mit Diäten? Die wichtigste Botschaft lautet:
Die Natur hat die Milchproduktion sehr robust gemacht - mit ein paar gezielten Ergänzungen kannst du dein Baby optimal unterstützen.
Wichtige Punkte im Beratungsgespräch:
- Kein Zwang zu „Superfood“ oder aufwändigen Diäten – stattdessen gesunde Basisernährung
- Vielseitigkeit und Nährstoffdichte fördern
- Pro Tag:
- mindestens 1 Jodquelle
- 2 bis 3 Portionen Gemüse,
- 1 pflanzliche Omega-3-Quelle (z. B. Leinsamen, Walnüsse, Algenöl)
- Bei veganer Ernährung: Vitamin B12 immer supplementieren
ausreichend Getränke, idealerweise Wasser, stark verdünnte Fruchtsaftschorlen oder geeignete Kräutertees
Ausreichend essen – nicht nur nährstoffreich
Viele stillende Frauen essen aus Unsicherheit oder mit dem Ziel, schnell zur alten Figur zurückzufinden, zu wenig – insbesondere zu wenig Eiweiß. Dabei ist der Energiebedarf in der Stillzeit sogar höher als in der Schwangerschaft: Er beträgt etwa 500 zusätzliche Kilokalorien pro Tag. Erst wenn die Beikost eingeführt wird und die Milchmenge zurückgeht, sinkt der Bedarf wieder auf etwa 250 bis 400 zusätzliche Kilokalorien.
Ein zu großes Kaloriendefizit kann
- die Milchbildung beeinträchtigen,
- zu Erschöpfung, Infektanfälligkeit und Heißhunger führen,
- Stresshormone (z. B. Cortisol) erhöhen, die über die Milch weitergegeben werden können,
- gespeicherte fettlösliche Umweltgifte durch schnellen Fettabbau freisetzen.
Ein sanfter Gewichtsverlust ist okay – er sollte aber nicht auf Kosten von Energie und Kraft der Mutter und der sicheren Versorgung des Babys gehen.
Erhöhter Bedarf in besonderen Situationen

- Mehrlingsstillen oder Tandemstillen > höherer Kalorienbedarf
- Stillen nach Kaiserschnitt oder Infekten > nährstoffreiche, regenerationsfördernde Kost
- Vegetarisch/vegan, ggf. in Kombination mit Allergien/Intoleranzen > Zusammenarbeit mit Ernährungsberatung, um Mangel vorzubeugen
Zwischen Stabilität und Feinsteuerung
Muttermilch bleibt auch bei suboptimaler Ernährung ein wertvoller Schutz- und Nährstoffcocktail. Doch bei bestimmten Vitaminen und Spurenelementen macht die Ernährung der Mutter einen Unterschied. Hebammen können hier mit gezielter, entlastender Beratung Sicherheit geben – jenseits von Verboten, mit Fokus auf Ressourcen und einfache Stellschrauben.
5 wichtige Ernährungstipps für Stillende
- Täglich 100-150 ug Jod als Supplement (ggf. Rücksprache Gynäkolog:in)
- Ausreichend DHA (mind. 200 mg/Tag über Fisch oder Supplement)
- Bei veganer Ernährung unbedingt B12 ergänzen
- Koffein in Maßen: max. 2-3 Tassen/Tag
- Kein Alkohol in der Stillzeit
Referenzen
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Bravi F, Wiens F, Decarli A, Dal Pont A, Agostoni C, Ferraroni M. Impact of maternal nutrition on breast-milk composition: a systematic review. Am J Clin Nutr. 2016 Sep;104(3):646-62. doi: 10.3945/ajcn.115.120881. Epub 2016 Aug 17. PMID: 27534637.
Kampmann, K. Auf der Suche nach dem "Superfood" für Babys. Pädiatrie 33, 30–39 (2021). doi.org/10.1007/s15014-021-3907-y.
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Still-Lexikon. Infoportal rund um Stillen. Nahrungsergänzungen in der Stillzeit: meist unnötig und überdosiert. https://www.still-lexikon.de/nahrungsergaenzungen-in-der-stillzeit-meist-unnoetig-und-ueberdosiert/ (zuletzt abgerufen am 12.06.2025)
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